Der Wahrheit verpflichtet
24. Februar 2026 - Paul Siegenthal 10

Wenn der Staat mitliest: Die Online-Steuererklärung als Kontrollinstrument

Paul Siegenthal
Der Staat weiß immer besser, was gut für den Bürger sein soll – und setzt es ohne Rücksicht durch. Mit der Abschaffung bewährter Offline-Steuerlösungen wird der Steuerzahler zur digitalen Melkkuh.

– Ein Kommentar von Paul Siegenthal, lic. oec. HSG

Bisher konnten Steuerpflichtige im Kanton Zürich ihre Steuererklärung mit «Private Tax» ausfüllen, ausdrucken und einschicken. Das ist ab diesem Jahr nicht mehr möglich. Der Papierkram muss nun direkt auf dem Server der Steuerverwaltung erfolgen.
Alles sei total sicher, wird uns versichert. Eine Alternative gibt nicht, allenfalls druckt das Steueramt der Gemeinde eine Steuererklärung aus, die dann von Hand ausgefüllt werden muss.

Den Bürger ausschnüffeln

Zugang zur Online-Steuererklärung gibt es nur, wenn eine Handynummer und eine E-Mail-Adresse hinterlegt wird. Zusammen mit der IP-Adresse und der Geräteadresse (MAC) weiß der Staat dann alles über den Steuerpflichtigen. Diese Daten kann er mit der Serafe-Datenbank und den Datenbanken der Telecom-Anbieter abgleichen. Der Zugang dazu steht ihm – ohne es rechtfertigen zu müssen – zu.
Das ist praktisch: So lässt sich bei Wochenaufenthaltern ermitteln, wie lange sie sich wo aufhalten. Er weiß auch, mit welcher IP-/Mac-Adresse die Daten hochgeladen wurden. Wenn er also mit einem Rollkommando vorbeikommt, muss er nicht lange nach dem Gerät suchen. Es muss sich dabei nicht einmal um ein Steuervergehen handeln. Ein dummer Kommentar auf einer Plattform reicht.

In guten Händen?

Das ist nicht die einzige Gefahr. Der Staat ist notorisch überfordert mit der Informatik. Immer wieder hört man von Datenlecks. Informatikprojekte, die Hunderte von Millionen kosten, scheitern am laufenden Band. Diese Pannen werden bei den berüchtigten «Freitags-Pressekonferenzen» bekannt gegeben und verschwinden nach einer knappen Meldung wieder aus dem Mainstream.
Der Bürger hat allen Grund, dem Staat nicht zu trauen. Der Drang der Verwaltung, den Bürger zu kontrollieren, ist ebenso groß wie ihre Inkompetenz.

Die Alternative

Wie lässt sich also die Staatsschnüffelei umgehen?

Die Steuerformulare können auf der Webseite des Steueramtes als PDF heruntergeladen werden. Ausfüllen kann man die Formulare mit einem PDF-Editor (MasterPDF oder Adobe Acrobat Pro). Die Felder müssen vom Benutzer jedoch selbst eingefügt werden.
Diese Lösung hat jedoch einen Nachteil. Bei «Private Tax» wurden die Abzüge automatisch auf das Hauptformular übertragen. Wurden mehr Abzüge als zulässig geltend gemacht, wurde dies verhindert.

Es geht um Kontrolle

Die Verwaltung und damit die Politik zwingt dem Bürger ohne Rücksicht eine Lösung auf, die ihm das Leben erschwert. Damit er nicht aufmuckt, dröhnt man ihn mit flotten Sprüchen aus PR-Büros über die Medien zu.
Zudem spioniert der Staat die Bürger systematisch aus. Mehr noch: Die Daten der Bürger werden garantiert mit KI bearbeitet. Vor allem kann der Staat die Daten mit anderen Quellen (Abrechnungen von Firmen, Sozialversicherungen usw.) abgleichen. Irgendetwas findet sich immer, wenn er einen Bürger drangsalieren will.
Natürlich wird er das bestreiten. Wie heißt es in Goethes «Faust»? «Die Worte höre ich wohl, doch allein mir fehlt der Glaube.» Wann wurde der Bürger vom Staat schon einmal nicht angelogen?
Deutlich ist: Seit Corona und der Digital-ID sind alle Dämme gebrochen. Der Staat macht, was er will.

 

Was denken Sie?
Ist die Online-Steuererklärung ein legitimer Modernisierungsschritt – oder ein weiterer Beleg für staatliche Übergriffigkeit?
👉 Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren.

 

© Beitragsbild: Nightcafé (KI)

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10 Kommentare zu “Wenn der Staat mitliest: Die Online-Steuererklärung als Kontrollinstrument”

  • slaggy.semicolon sagt:

    CPUID: Das wäre ja dann das Argument dafür das eine browserbasierte Lösung besser als die alte Software ist, welche Lokal installiert wird.

    Und wenn du ja eh ein VPN benutzt ergibt sich bei der Browserbasierten Lösung, der lokal installierten Software und dem PDF download hinsichtlich deiner IP und Mac adresse die selbe Konklussion

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    • slaggy.semicolon sagt:

      Der Staat weiss dein Name und Postadresse.

      Wenn er damit zum ISP geht wird er deine IP rauskriegen auch wenn du einen VPN benutzt.

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  • slaggy.semicolon sagt:

    - Wie lädst du die das PDF runter ohne deine IP zu verraten?
    - Macadresse wird nur im Lokalen Netzwerk verwendet. Diese wird aber zb bei Macos mit einem klick regelmässig rotiert.
    - Die alte Software auf dem PC fandest du besser? Welche zugriffsrechte hatte die Software alles?
    - Wie hast du die alte Software downgeloaded, upgegradet, steueraufstellung versenden ohne die IP zu verraten?
    - Wohin gelangt dein PDF respektive die Daten der alten Software? Auf keinem Staatsserver?

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    • slaggy.semicolon sagt:

      Viel problematischer ist die App die es zur Authentifizierung braucht. Software die du lokal installierst.
      99.9 prozent geben kein Geld für einen Yubikey aus.

      Dies aber erwähnst du nicht.

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    • paulsiegenthal sagt:

      Hier wird Ihnen geholfen:
      1, Erstellen sie einen "bootable Stick" mit einem (Linux-)-Betriebssystem darauf. Dafür gibt es die Software "Balena Etcher".
      2. Installieren sie einen VPN (der von Proton ist kostenlos). Dann ist das IP Problem gelöst.
      3. Installieren sie erst dann die Staatssoftware "Private Tax".

      Ich weiss nicht, ob sie die neue Online-Lösung schon einmal benutzt haben. Bei der wird die Angabe der Handynummer verlangt. Diese zu faken ist relativ schwierig.

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    • slaggy.semicolon sagt:

      @paul. Die Telnr muss nicht angegeben werden, der Dialog kann übersprungen werden.
      Es waren eher rhetorische Fragen... Ich bin ITler.

      Okey per VPN und wie verhinderst du das Browserfingerprinting?
      Nutzt du TOR um das PDF zu downloaden?
      Proton hat btw der Strafverfolgungsbehörden schon Daten rausgerückt.

      Den VPN kannst du btw auch in der neuen Lösung benutzen. 😉

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    • paulsiegenthal sagt:

      Lieber slaggy. semicolon,
      dann hier etwas auf dem Weg durch die Informatik:
      1. Der Internet Service Provider (ISP) kann die MAC-Adresse sehr wohl auslesen.
      2. Das Betriebssystem kennt Deine CPUID ebenfalls und kann die mit einer internen Datenbenk abgleichen (Test: Versuche mal eine lizenzierte Software mehrfach zu installieren ...)
      3. Ja, Proton hat in einem Fall tatscächlich Daten herausgeben müssen.

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    • paulsiegenthal sagt:

      Und dann:
      1. Verbrecher neigen selten dazu, mit einer Steuererklärung Rechenschaft über ihr Geschäftsmodell abzulegen. Ich habe nichts dagegen, wenn der Staat diese Leute verfolgt.
      2. Mir geht es vor allem darum, dass der Staat nicht den normalen Bürger auf Vorrat ausschnüffelt und seine Daten speichert. Und genau das tut er.
      3. Dasselbe gilt für Software-Unternehmen, die den Bürger zwar nicht verfolgen, aber die Daten zu Marketingzwecke verkaufen.

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  • Ja, es geht einzig und allein um Kontrolle. Das ist auch der Grund, warum man die Individualbesteuerung will. Viele Jahre hat man abgewunken, es sei viel zu aufwändig und nun plötzlich nicht mehr. Man will hinter jeder Person eine eigene Steuernummer um auch wirklich alles andere wie z.B. die Gesundheitsdaten hinterlegen zu können. Alles auf einen Blick...

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    • paulsiegenthal sagt:

      Grüezi Frau Hofer,
      das sehe ich auch so, vor allem in Kombination mit der Serafe-Datenbank, die die Daten des Bauamtes (Wohnungsgrundrisse) mit dem Einwohnerregister kombiniert. Damit weiss der Staat genau, in welchem Zimmer sie in der Wohnung leben.

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