
– Ein Kommentar von Paul Siegenthal, lic. oec. HSG
Die Berichterstattung der Medien zum Irankrieg ist vollkommen anders. Von der Ukraine hört man kaum noch etwas, stattdessen werden die Konsumenten mit einheimischen Nachrichten versorgt.
Während des Golfkriegs verfolgte die Welt den Krieg live auf CNN. Die Fernsehstationen hatten eigene Korrespondenten, die mit «Live-Schaltungen» von Hoteldächern aus berichteten. Mit etwas Geographiekenntnissen erkannte der Zuschauer schnell, dass die Korrespondenten weiter vom Kriegsschauplatz entfernt waren, als er selbst. Näher hätten sie auch nicht sein können. Das unhandliche Equipment für die Satellitenkommunikation ließ es nicht zu.
Die Showeinlagen wurden im Ukrainekrieg etwas besser. Statt auf Hoteldächern standen die Helden des Mainstreams jetzt mit Schussweste und Helm vor einem Abbruchobjekt, meist weit weg von der Front. Möglich gemacht hat dies Elon Musk mit Starlink.
Im Irankrieg ist es anders. Wer sich informieren will, erhält über den Nachrichtendienst X (ehemals Twitter) Bilder in Echtzeit. Ergänzende Informationen liefert vor allem Fox News, der Haussender der amerikanischen Pistoleros. Da bleibt für unsere Medien nicht viel übrig: Sport, Busenblitzer, Kochrezepte, Trump-Bashing und das Hypen von Nieten. Die Medien versuchen sich nur noch ungern mit «Militärexperten». Zu oft haben sie sich blamiert. Sie haben kaum noch etwas Sinnvolles beizutragen.
Dazu kommen alternative Medienangebote wie Tichys Einblick und Nius. Sie sind mittlerweile Vollprogramme, die außer Boulevard und Sport alles bieten, was Bürger an Informationen brauchen. Für die Politiker sind sie besonders gefährlich, denn wenn die Leser abwandern, verändert sich die politische Landschaft. Die Politik ist darauf angewiesen, dass möglichst viele Otto Normalbürger ihre Informationsangebote – richtig geframed und vieles verschwiegen – konsumieren. Nur so könne das Stimmvieh einen «informierten» Entscheid treffen.
Die besten und vielseitigsten Analysen bekommt der Zuschauer mittlerweile auf Youtube. Admiräle, Generäle, hochrangige Diplomaten bieten Analysen oder geben Interviews in einer Qualität, die der Mainstream niemals bieten kann. Alles, was der Zuschauer in den klassischen Medien bekommt, sind Journalisten, die sich gegenseitig interviewen oder «Experten», die man treffend als «paid actors», also bezahlte Schauspieler, bezeichnen kann.
Die Europäer, vor allem die Deutschen, unternahmen alles, um die alternativen Kanäle zu verbieten. Seit Trump im Amt ist, trauen sie sich nicht mehr. Sie wissen, was ihnen dann blüht. Der große Satan als Garant für die Medienvielfalt.
Die größte Gefahr für den Journalismus trifft Mainstream- und alternative Medien gleichermaßen: die künstliche Intelligenz (KI). Jungen Menschen fällt es schwer, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Ältere Menschen haben ähnliche Probleme, wann auch die Ursache eine andere ist.
Immerhin bietet X einen Weg, um die Echtheit eines audiovisuellen Mediums zu überprüfen (Grok-Knopf). Der Mainstream verzichtet auf solche Checks, sofern die Geschichte dem eigenen Narrativ folgt. Die öffentliche Blamage lässt dann nicht lange auf sich warten.
Bei Texten ist die Unterscheidung schwieriger. Ungeübte Augen können einen KI-Text nicht von einem normalen Text unterscheiden. Kommentare, sogar ganze journalistische Texte, befüllen das Internet. Plötzlich inszenieren sich Illiteraten als Journalisten. Vor allem in Deutschland ist Plagiieren Volkssport, um sich einen Titel oder Kompetenz anzuschminken.
Es gibt Tools, die solche Texte demaskieren. Redaktionen sollten grundsätzlich jeden Text überprüfen – sofern sie sich nicht selbst lächerlich machen wollen.
Nicht einmal vor der Kirche macht das Problem halt. Kürzlich bat Papst Leo XIV seine Geistlichen eindringlich, ihre Predigten nicht mit KI zu erstellen. KI-Texte vermitteln nicht das Wort Gottes und sind somit wertlos.
Der Irankrieg macht deutlich, wie sehr die Medienlandschaft sich verändert hat. Die Mainstream-Medien sind keine Informationsquelle mehr, sondern dienen der Volkserziehung, um die schweigende Mehrheit bei der Stange zu halten. Mit den alternativen Medien entsteht wieder eine Medienvielfalt, wie es sie in den letzten 20 Jahren nicht mehr gab. Beide Lager stehen durch die künstliche Intelligenz unter Druck, dem sie sich zuerst gewachsen zeigen müssen. Die Mittel dazu existieren bereits heute. Der Irankrieg ist damit nicht nur ein geopolitischer Konflikt, sondern auch ein Wendepunkt für die Medienwelt.
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© Beitragsbild: Nightcafé (KI)