
– ein Kommentar von Patrick Jetzer, Autor und Unternehmer
Nach einem Einbruch in mein Edelmetallhandelsgeschäft mit einschneidenden und bleibenden Folgen, habe ich mich entschlossen, mich in dieses Thema zu vertiefen. Betrachtet man die verfügbaren Daten, sollte dies eigentlich Gesellschaft und Politik aufhorchen – wenn nicht sogar aufschreien lassen. Dennoch scheint es weitgehend als gegeben hingenommen zu werden.
Betrachtet man die Einbruchszahlen in der Schweiz, zeigt sich im Zeitraum von 2010 bis 2025 eine deutliche Abnahme der Fallzahlen. Damit sind die guten Nachrichten jedoch bereits beendet. Während früher vor allem Gelegenheitseinbrüche durch Kleinkriminelle, Drogensüchtige oder Jugendliche überwogen, nehmen die Schadenssummen pro Einbruch deutlich zu. Einbrüche werden zunehmend von professionellen Banden durchgeführt, die genau wissen, wo etwas zu holen ist. Dadurch ist die Schadenssumme trotz einer Halbierung der Einbrüche insgesamt ungefähr gleich geblieben.
Die Betrugsschäden im selben Zeitraum haben sich in Großbritannien und Deutschland etwa verdoppelt; in Frankreich liegt der Faktor sogar bei rund 2,3. Für die Schweiz und Österreich sind leider keine durchgängigen Daten verfügbar.
Es ist bekannt, dass der größte Teil der Schäden auf internationale Verbrecherbanden zurückzuführen ist. «International» bedeutet hier vor allem Europa. Das Diebesgut wird häufig über den Landweg verschoben. Spezialisierte Tätergruppen für Einbrüche – darunter Experten für Schlösser, Sicherheitstechnik, Stromnetze, Funktechnik, Software oder auch erfahrene Kletterer – bewegen sich problemlos über Landesgrenzen hinweg. Dies ist ein wirtschaftlicher Preis der Personenfreizügigkeit und des Schengen-Abkommens, welcher in wirtschaftlichen Diskussionen oft nicht berücksichtigt oder bewusst ignoriert wird.
Bereits im Jahre 2015 berichtete 20 Minuten über «Akademie für professionelle Einbrecher» und Blick von «Gangster mit Diplom». Mit dem entsprechendem Journalisten habe ich mich unterhalten. 11 Jahre später ist das Know-How nochmals deutlich gestiegen. Es kann demnach von regelrechten Einbruchs-Universitäten gesprochen werden.
Die Einbrüche bei mir sind exemplarische Beispiele. Bereits in den Artikeln aus dem Jahre 2015 war zu erfahren, dass schnell rennen können, bzw. der sportliche Drill dazu ein Faktor der Einbrecher-Akademien war. Man rekrutiert deshalb 18 bis 26-jährige. Beim ersten Einbruchsversuch habe ich die Eindringlinge überrascht, d. h. sie sind geflüchtet, dies in einem Tempo, bei dem ich wohl nicht hätte mithalten können, zudem musste ich darauf achten, ob nicht noch weitere Einbrecher rausstürmen.
Beim aktuellen Einbruch bei mir, welcher schon der dritte ist, wurde mir seitens Techniker des Alarmsystems erklärt, dass der Funk der Alarmanlage professionell gejammt worden sein müsse, zeitgleich müsse auch der Strom unterbrochen worden sein. Bei der Alarmzentrale kam eine Stromschwankung an, was mit einer Batterieschwäche interpretiert wurde. Verbindungsschwankungen von einer der verschiedenen Verbindungen kamen immer wieder mal vor und waren kein Anlass Alarm zu schlagen. Fatalerweise auch bei diesem Einbruch nicht, obwohl die Sachlage sich im Nachhinein etwas anders darstellte.
Im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg werden uns wiederholt die Fortschritte in der Drohnentechnologie und in diesem Zusammenhang auch das Jamming (Stören und Unterbrechen von Funkfrequenzen) medial berichtet. Diese technologischen Fortschritte landen umgehend auch beim organisierten Verbrechen. Das Fedpol sagt mir gegenüber nur so viel: «Allgemein können wir sagen, dass kriminelle Netzwerke sehr gut organisiert sind und oft grenzüberschreitend agieren. Sie machen sich dabei die modernste Technologie zu Nutzen.»
70 % Der Einbrüche in der Schweiz werden von Einbrecher-Touristen getätigt. 30 % werden Schweizerbürgern zugeschrieben. Generell hat die Schweizerbevölkerung zu einem Drittel Migrationshintergrund, wie die Quote bei den Einbrüchen aussieht lässt sich nicht eruieren. Allein die sichere Quote von 80 % der Einbrüche mit Migrationshintergrund ist alarmierend. Bei den Betrugsdelikten sehen die Zahlen sehr ähnlich aus. Bereits in den 2015 erschienen Artikeln wurde die Herkunft Osteuropa, bzw. Rumänien zugeordnet. Heute sind anteilsmäßigen Spitzenreiter Rumänien mit 20 %, Bulgarien, Kosovo und Albanien mit je 10 % der Einbrüche. Auch bei den Nicht-EU-Mitgliedern dieser Staaten ist die Visumspflicht zur Einreise in die Schweiz gefallen.
Die Alarmanlage speichert Daten und Fotos auf der lokalen Alarmanlage, wie auch auf einem externen Server. Das Jamming und die Stromkappung hat jedoch beides unterbrochen. Zudem wurde der lokale Datenträger zerstört. Die Chance doch noch etwas aus dem Datenträger herauszubekommen durch Rekonstruktion und ein Foto ohne Gesichtsmaske zu erhalten wurde polizeilich als so gering eingestuft, dass dies nicht in Betracht gezogen wird. Eventuell wäre eine zusätzliche Datenleitung eine Möglichkeit, die künftig zusätzlich zum Standard werden müsste, was natürlich die Sicherheitsvorkehrungen weiter verteuert.
Dass bei der Alarmzentrale ein anhaltender Signalunterbruch mitten in der Nacht nicht als absolutes Alarmzeichen erkannt wird, muss ebenfalls korrigiert werden. Ein Unterbruch von 5 Minuten mag man stehen lassen, stellt sich die Verbindung jedoch nicht wieder ein, müsste umgehend die Polizei aufgeboten werden.
Bankschließfächer wurde von vielen Kommentierenden als der Weisheit letzter Schluss zum Besten gegeben. Ich habe 5 Versicherungen angefragt, ob sie ein Bankschließfach versichern, da diese bei der Bank selbst nicht, bzw. nur für kleine Summen versichert sind. 4 haben sofort abgesagt, eine machte ein Angebot, erwähnte jedoch, dass der Schadensfall nachgewiesen werden müsse. Die Nachfrage, wie sie sich das vorstellen – also, wie man Ware die weg ist, belegen kann – wurde noch nicht beantwortet.
Mir geht es nicht um Schuldzuweisungen, weshalb ich die Firmen nicht namentlich erwähne. Ich hoffe jedoch, dass mein Fall dazu dient weitere Einbrüche zu vereiteln, bevor der Schaden eintritt. Dabei hat die Politik, Wirtschaft, die Sicherheitsindustrie, aber auch die Gesellschaft etwas beizutragen.
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© Beitragsbild: ChatGPT (KI)