
– Ein Artikel von David Klein, freier Journalist
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Man reibt sich die Augen. Ausgerechnet der Tages-Anzeiger entdeckt sein Herz für Corona-Abweichler.
Anlass ist Granit Xhaka. Der Captain der Schweizer Nationalmannschaft soll während der Pandemie ein gefälschtes Impfzertifikat verwendet haben. Nun fordert Tages-Anzeiger-Redaktor Markus Brotschi: Schluss mit der moralischen Aufarbeitung. Xhaka müsse zwar die strafrechtlichen Konsequenzen tragen, damit aber solle es sich bewenden lassen. Brotschis Fazit: «Es reicht!»
Wer nun aber glaubt, beim Tages-Anzeiger habe man schon immer Verständnis für Menschen gehabt, die sich den Corona-Zwangsmaßnahmen nicht widerspruchslos unterwarfen, leidet unter akutem Gedächtnisschwund. Damals war der Tages-Anzeiger federführend bei der Hetze gegen Ungeimpfte. Ein Blick zurück lohnt sich.
Es war kein Scherz: Ausgerechnet am 1. April 2022 beendete der Bundesrat mit der Rückkehr zur «normalen Lage» offiziell die Corona-Pandemie in der Schweiz.
Zuvor bekam die Schweizer Bevölkerung mit der Zertifikatspflicht indirekt ein Impfzwang auferlegt.
Begründet wurde diese beispiellose staatliche Attacke auf die körperliche Unversehrtheit des Souveräns mit einer brandschwarzen Lüge (die NZZ nannte es «forsche Kommunikation») von Bundesrat und Gesundheitsminister Alain Berset.
«Mit dem Zertifikat kann man zeigen, dass man nicht ansteckend ist», posaunte dieser am 27. Oktober 2021 im Schweizer Fernsehen und trat damit einen Tsunami der Schikanierung von Ungeimpften los.
Wie sich das Leben unter der Corona-Diktatur anfühlte, erfuhr ich als Ungeimpfter am eigenen Leib.
Kino und Restaurants waren «off limit», beim Basler Zolli wurde ich mit meiner 5-jährigen Tochter abgewiesen, bei meinem geliebten Bebbi-Jazz in Basel blieb mir der Konzerteintritt verwehrt. Es war nicht einmal mehr möglich, in der Basler GGG-Bibliothek ein Buch auszuleihen.
Doch die Stigmatisierung Ungeimpfter beschränkte sich nicht auf den Ausschluss vom öffentlichen Leben. Auch Zweifel an der Sicherheit der Covid-Impfung wurden gesellschaftlich geächtet. Gefährliche oder tödliche Nebenwirkungen verbannte man kurzerhand in die Zwischenwelt der Verschwörungstheorien.
Wer sie thematisierte, sah sich als «Corona-Leugner» diffamiert und wurde als Demokratiefeind, Covidiot, Querdenker und herzloser Senioren-Mörder beschimpft. Bis zum Nazi war es dann nicht mehr weit.
In den Jahren danach wurden jedoch immer mehr Impfschäden bekannt, darunter vermehrt auch solche mit Todesfolgen.
Schon damals tadelte sogar die normalerweise stramm auf Staatslinie getrimmte SRF-Ombudsstelle die in der «Tagesschau» geäußerte Bezeichnung «Impfkritikerin» als «meinungsverfälschend».
Auch der Corona-Turbo Tages-Anzeiger titelte in einem Artikel von Eveline Rutz und Edgar Schuler, Impffolgen könnten «mittlerweile nicht mehr wegdiskutiert werden».
Wie jetzt? Wurden sie denn in der Vergangenheit «wegdiskutiert»? Etwa auch vom Tages-Anzeiger? Und wenn ja, warum?
Inlandredaktor Edgar Schuler wollte sich auf schriftliche Anfrage nicht festlegen: «Alles, was ich dazu zu sagen habe, steht im Artikel», hieß es am Telefon. Ich solle mich an die Chefredaktion wenden.
Doch auch der damalige «Super-Chefredaktor» der Tamedia-Zeitungen, Arthur Rutishauser, der seinerzeit nach einem «indirekten Impfzwang über das Corona-Zertifikat» gerufen hatte, wollte sich nicht dazu äußern, ob der Tages-Anzeiger Impffolgen wegdiskutiert habe.
Stattdessen stellt er Tamedia einen Persilschein aus: «Wir schauen uns an, was ist. Wenn es schwere Nebenwirkungen bei der Covid-Impfung gibt, dann berichten wir über sie. Jeder Fall ist einer zu viel», schreibt er. «Bis jetzt sieht es glücklicherweise danach aus, als ob diese Fälle im Verhältnis zu den Long-Covid-Fällen nicht sehr zahlreich sind. Ich halte die Covid-Impfungen nach wie vor für eine großartige, wenn auch nicht perfekte Errungenschaft.»
Das war aber nicht meine Frage. Nach einer Bitte um Präzisierung verlor Rutishauser die Nerven. Er könne mir «offensichtlich nicht mehr weiterhelfen», wäffelte der mächtige Medienmacher, und setzte Roger Köppel in cc, um mich beim Herausgeber der Weltwoche, wo ich regelmässig publiziere, anzuschwärzen.
Was er mit dieser Aktion genau erreichen wollte, mochte Rutishauser auf Anfrage nicht beantworten.
Dass Rutishauser nach all den Jahren, in denen der Tages-Anzeiger die Schweizer Bevölkerung mit seiner schamlosen Corona-Staatspropaganda terrorisierte und das Schweizer Volk spaltete, ein schlechtes Gewissen hat: geschenkt.
Sein Umgang mit meiner Presseanfrage erinnert jedoch an Methoden, die Staatsbeamte in Unrechtsstaaten wie der DDR oder in anderen sozialistischen Systemen angewendet haben, um unbequeme Journalisten zum Schweigen zu bringen.
Fakt ist: Der Tages-Anzeiger behandelte schwerwiegende und langanhaltende Nebenwirkungen der Covid-Impfung in seiner Berichterstattung äußerst stiefmütterlich. Während Long Covid breit ausgeleuchtet wurde, blieben mutmassliche Impffolgen lange ein publizistisches Randthema. Erst im Artikel von Eveline Rutz und Edgar Schuler hieß es dann plötzlich, solche Impffolgen ließen sich «mittlerweile nicht mehr wegdiskutieren».
Ich rate Herrn Rutishauser zu etwas mehr Gelassenheit. Oder zu einem Job beim Staat, dort kann er nach Herzenslust wegdiskutieren.
Brotschi sorgt sich derweil rührend um «Promis», die «als Nächstes vom Sockel fallen» könnten, weil sie sich «vor vier oder fünf Jahren nicht an eine Pandemie-Vorschrift» gehalten hätten.
Er sollte stattdessen die Entscheidungsträger ins Visier nehmen, die sich dem Corona-Wahn angedient und die Schweizer Bevölkerung mit jakobinischem Furor drangsaliert haben. Allen voran Alain Berset.
Doch dafür fehlt dem Tages-Anzeiger offensichtlich die nötige Courage.
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