Der Wahrheit verpflichtet
22. April 2025 - Paul Siegenthal 4

Die Mar-a-lago Accords erklärt: Die Auflösung des Triffin-Pradoxes

Paul Siegenthal
Das Geschrei um Trumps Welthandelspolitik will nicht enden. Die Europäer fühlen sich verraten, die Chinesen bedroht und selbst die Russen geraten in wirtschaftliche Turbulenzen. Medien karikieren Trump als lunatischen Nero, der die Welt in den Abgrund stürzen will. Eine Minute später ist er dann ein Versager, weil er zurückrudere. Und was stimmt nun wirklich? – Ein Analyse von Paul Siegenthal, lic. oec. HSG

Die neue Wirtschaftspolitik der USA ist für Nicht-Ökonomen schwer zu begreifen. Es lohnt sich aber, sich vertieft mit ihr auseinander zu setzen. Sie stellt die gesamte Weltwirtschaft auf eine neue Grundlage.

Klassische Währungstheorie

Der Welthandel findet (überwiegend) in Dollar statt. Das exportierende Land wird in Dollar bezahlt, seine Währungsreserven steigen und seine Währung wird stärker. Länder, die auf Dauer mehr importieren als exportieren, geben Devisen ab und ihre Währung wird schwächer. Der Konsument erlebt diesen Mechanismus als Wechselkursschwankungen.

Die USA in der Falle: das Triffin-Dilemma

Es gibt eine Ausnahme: die USA. Trotz großen Handelsdefizits bleibt ihre Währung stark. In der Ökonomie spricht man vom Triffin-Paradoxon. Warum? Der Handel wächst global. Wenn zwei Länder außerhalb der USA miteinander Handel treiben, brauchen sie Dollar. Da der Welthandel insgesamt stärker wächst als das Handelsdefizit der USA, steigt der Wert des Dollars trotz des Defizits.

Der Effekt verstärkt sich sogar noch. Der starke Dollar führt dazu, dass mehr von den USA importiert wird. Die Industrie im Rust Belt schrumpft. Zudem unternehmen die Handelspartner (fast) alles, um den Export der USA zu behindern.

Optionen der USA

Die USA haben auf den ersten Blick zwei Optionen: den Welthandel nicht mehr mit Dollar zu versorgen oder munter weiterzudrucken. Im ersten Fall kollabiert der Welthandel, im zweiten die USA. Beides ist für niemanden wünschenswert.

Die dritte Option, Phase 1 und 2

Trump hat eine dritte Option, sie stammt aus der Küche von Stephen Miran. Wenn es gelingt, die Handelsbilanzen mit den anderen Ländern auszugleichen, wäre das Problem vom Tisch.

In einem ersten Schritt will er die ausländischen Handelspartner zwingen, ihre Zölle und Handelshemmnisse abzubauen. Die Medien sprechen von einem Zollkrieg, doch der wurde nicht von den USA begonnen. Die meisten Länder behindern den Marktzugang amerikanischer Produkte zum inländischen Markt.

Trump ist überzeugt, dass der Zugang zum amerikanischen Markt so attraktiv ist, dass die meisten Länder in den nächsten 90 Tagen ein Zollabkommen abschließen und ihre Märkte für amerikanische Waren öffnen. Tun sie es nicht, bleiben die Zölle bestehen.

Die geheimnisvolle Phase 3

Ausgeglichene Handelsbilanzen lösen das Triffin-Paradox aber nicht auf. Das Ausland wird weiterhin Dollar als Reservewährung halten und ihn künstlich überbewerten.

Hier stochert die Welt im Nebel. Die Amerikaner halten sich noch bedeckt, doch es soll auf ein Mar-a-Lago-Abkommen hinauslaufen, dass die Weltwirtschaft auf eine neue Grundlage stellt.

Das Mar-a-Lago-Abkommen

  1. Die Länder müssen sich verpflichten, keine (oder sehr geringe) Zölle im Handel mit den USA zu erheben. Sie müssen auf alle Handelshemmnisse verzichten, also keine eigenen Abgasvorschriften erlassen oder ähnliches.
  2. Die Länder müssen sich zu einer ausgeglichenen Handelsbilanz verpflichten. Hat die USA ein Handelsbilanzdefizit, muss die andere Seite entweder zusätzliche Käufe in den USA tätigen (z. B. Waffen, Flugzeuge, Rohstoffe, Energie) oder seine Währung so lange anheben, bis sich das Defizit wieder ausgleicht.
  3. Der amerikanische Finanzminister Bessent hat angedeutet, dass auch die Sicherheit des Weltpolizisten USA in Zukunft nicht mehr kostenlos sein wird. Ob es sich hier um eine Ansage oder eine Handelstaktik handelt, ist ungewiss.

Warum sollte sich das Ausland diesem Abkommen anschließen?

Von den Staaten wird viel verlangt. Sie müssen ihre Märkte öffnen, ihren Wechselkurs so gestalten, dass die Handelsbilanz ausgeglichen ist und gleichzeitig für ihre Sicherheit bezahlen. Tun sie es nicht, wird der Zugang zum amerikanischen Markt erschwert bis verunmöglicht und der Schutz durch die USA entfällt. Die Begeisterung wird sich in Grenzen halten.

Vermutet wird, dass man Alliierten bessere Bedingungen als Neutralen oder unfairen Konkurrenten bietet. Bei den Alliierten ist der Schutz kostenlos, zudem erhalten sie sektoriell eine Handelsungleichgewicht zugestanden, z. B. bei bestimmten Maschinen, Pharma- oder Landwirtschaftsprodukten.

Ob diese Vermutung zutrifft? In ein paar Wochen wissen wir es.

 

Lieber Leser, liebe Leserin, deuten Sie die Vorgängen in der amerikanischen Politik auch so wie unser Analyst? Oder haben Sie hier eine ganz andere Ansicht? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen!

 

© Bild: Paul Siegenthal

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4 Kommentare zu “Die Mar-a-lago Accords erklärt: Die Auflösung des Triffin-Pradoxes”

  • Calida sagt:

    Ich bin nicht sicher, ob Trump sich durchsetzt. Sicherlich hat der Zollkrieg negative Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft, aber auch auf die amerikanische Wirtschaft. Die Importeure wissen nicht mehr, wie sie die Preise ihrer Produkte kalkulieren sollen. Jeden Tag kommt ein neuer UKAS von Trump. Auch ist es nicht klar, welche Produkte ab wann unter die Zölle fallen. Es herrscht ein grosses Durcheinander. Und wenn die Unternehmen etwas gar nicht mögen, dann sind es diese Ungewissheiten.

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  • cobo sagt:

    Interessant und einleuchtend - auch für mich als Nichtökonom. Stören kann einen trotzdem - aus unserer Sicht - sehr vieles:

    - "Nichttarifäre Handelshemmnisse" sind ja zT. sehr sinnvolle Regulierungen, auch wenn sie die "Handelsfreiheit" stören

    - Ausgeglichene Handelsbilanz erzwingen (z.B. teures Frackinggas aus USA statt billiges Pipelinegas aus RU) ist natürlich das Gegenteil eines "freien Markts": Auf diesem müssten die USA statt dessen daran arbeiten, konkurrenzfähigere Produkte anzubieten

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    • paulsiegenthal sagt:

      1/2 (Hoi cobo,

      danke für Deine Antwort. Trump will eine ausgeglichene Handelsbilanzen, was tatsächlich nicht heisst, dass damit die Handelsfreiheit hergestellt wird. Die Deutschen werden immer die besseren Autos bauen als die Amis. Wen daraus ein Handelsdefizit entsteht, heisst das lediglich, dass die Deutschen einfach geschickter sind. Trump will nun aber diese "Inkompetenz" des eigenen Werkplatzes ausgleichen, in dem er eine ausgeglichene Handelsbilanz fordert.

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    • paulsiegenthal sagt:

      2/2 Der Ausgleich soll dann durch weitere Abkommen hergestellt werden, z.B. in dem man den USA LNG abkauft, obwohl man es viel billiger von den Russen haben könnte. Frei ist das natürlich nicht. Trump pokert hoch und wenn er sich nicht durchsetzt, heisst das, dass die USA als Weltmacht zu schwächeln beginnt. Wir werden sehen.

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