Der Wahrheit verpflichtet
13. Februar 2024 - Aktivist und Autor Martin Sellner: «Die Zuwanderung birgt die Gefahr, dass die Demografie die Demokratie irgendwann überwältigt»

Aktivist und Autor Martin Sellner: «Die Zuwanderung birgt die Gefahr, dass die Demografie die Demokratie irgendwann überwältigt»

Aktivist und Autor Martin Sellner: «Die Zuwanderung birgt die Gefahr, dass die Demografie die Demokratie irgendwann überwältigt»
Philipp Gut spricht mit Autor und Aktivist Martin Sellner über das angebliche Geheimtreffen mit AfD-Politikern, was es wirklich damit auf sich hat und was Remigration in seinen Augen bedeutet.

Das Interview wurde als Spende für HOCH2 von D. G. verschriftlicht und gekürzt. Das gesamte Interview in Videoform können Sie hier anschauen.

 

Philipp Gut

Martin Sellner, Sie sind derzeit gerade in aller Munde, nicht nur in Deutschland, sondern auch über Deutschlands Grenzen hinaus. Auch in den Schweizer- und Österreichischen Medien herrscht helle Aufregung. Weshalb? Es gab ein angebliches Geheimtreffen in Potsdam mit Ihnen, mit AfD-Politikern und anderen Teilnehmern. Es ging um die Frage der Remigration. Wie geheim war dieses Treffen, worüber alle schreiben?

Martin Sellner

Dieses angebliche Geheimtreffen war nicht geheim, sondern privat. Und ich finde, das ist ein großer Unterschied, denn es gibt keine Pflicht der Staatsbürger, zumindest kenne ich sie nicht, jedes private Treffen der Correctiv-NGO zu melden (Anm. der Redaktion: Bei Correctiv handelt es sich um eine Plattform, deren Betreiber sich selbst zu unabhängigen Fakten-Checkern ernannt haben). Und natürlich hat man ein Anrecht darauf, dass man sich im privaten Raum privat austauschen kann. Also dieses Framing «Geheimtreffen» ist lächerlich, insbesondere weil ich ja auch schon vorher in den Wochen und Monaten davor häufig öffentlich auf Podien, in Talkshows, in Gesprächsrunden auf YouTube mit AfD-Politikern über Remigration gesprochen habe. Es ist also eine pure Inszenierung.

Philipp Gut

Sie haben ein grosses Interesse der Medien geweckt. Freuen Sie sich heimlich darüber oder regen Sie sich auf?

Martin Sellner

Es ist schwierig. Natürlich freut man sich darüber, dass das Thema Remigration ins Gespräch kommt. Ein Ziel meines Aktivismus, meiner Bücher ist es ja, eine seriöse Debatte zu starten, allerdings die Art und Weise, wie das Thema aufgemacht wird, als gezielte Kampagne gegen die AfD, das gefällt mir nicht. Ich fühle mich auch ein bisschen missbraucht. Ich fühle mich als eine Art Billardkugel, die man in die Partei hineinschießen möchte. Das Framing «Remigration» als Deportation, Geheimplan, ja Wannsee-Konferenz gleichzusetzen, freut mich ganz und gar nicht. Ich freue mich, das hier auch mal klarstellen und darüber sprechen zu können.

Philipp Gut

Worum ging es bei diesem Treffen genau? Können sie das ein bisschen ausführen, Sie haben ja Interesse diese Debatte auch in die Öffentlichkeit zu tragen, wie Sie sagten.

Martin Sellner

Selbstverständlich. Also bei diesem Treffen ging es primär um das Vergleichen, das Besprechen, das Vorstellen verschiedener Ideen, es gab interessierte Zuhörer, und dann gab es Referenten. Ich war einer von denen, ich sprach da über dieses Buch hier, es heißt «Regime Change von rechts», das ist eigentlich ein aktivistisch, politikwissenschaftliches Buch. Ich analysiere da die Bürgerrechtsbewegung in Amerika, aber auch den Freiheitskampf von Gandhi und stelle dauch Fragen angesichts von Corona. Welche Lektionen können Patrioten und Globalisierungskritiker aus diesen Bewegungen ziehen? Und ich sprach primär über dieses Buch. Und dann kam es in der Fragerunde und am Rande auch zum Thema Remigration, also der Frage: «Wie kann eine Politik diese massenhaften Migrationsströme umkehren?»  Dass «Remigration» das ganz beherrschende Thema war, ist gelogen. Auch, dass das Ganze eine Konferenz war, auf der wir uns abgesprochen haben und bindende Pläne geschmiedet haben sollten, ist ebenso gelogen. Und dass sogar von Deportation von Staatsbürgern die Rede war, ist erst recht gelogen.

Philipp Gut

Welche Bedeutung legen Sie dem Wort «Remigration» bei?

Martin Sellner

Wenn ich darf, würde ich gerne kurz eine Definition zitieren, die ich eigentlich gar nicht schlecht finde. Danach ist Remigration «die Rückkehr von Migranten an den Ausgangsort ihrer Migration». Und zwar erfolgt sie dann, ich zitiere: «wenn der individuelle oder kollektiv, wie auch immer definierte Erfolg oder Misserfolg des Migrationsprojektes im Zielgebiet die Rückkehr in die Heimat möglich macht» und das ist die Definition der Bundeszentrale für politische Bildung aus dem Jahre 2017. Und tatsächlich bedeutet Remigration nichts anderes als «Minus-Migration», die ständig stattfindet, von jeder Volksgruppe, seien das jetzt Albaner in der Schweiz oder Türken in Österreich. Es wandern immer wieder ein paar Leute ab, aus welchen Gründen auch immer, aber es wandern insgesamt von bestimmten Herkunftsgruppen einfach so viele zu, dass wir ein positives Saldo haben. Remigration bedeutet durch eine Umkehrung der Push- und Pull-Faktoren durch eine Asylrechtsreform, durch eine Staatsbürgerschaftsrechtsreform einfach diese Ventile umzukehren, dass es mehr ab als Zuwanderung gibt und dadurch die Überfremdung und der Befreiungsdruck der Gesellschaft nachlässt.

Philipp Gut

Wo sehen Sie die größten Probleme dieser starken Migration, von denen eben vor allem westeuropäische Länder wie Österreich, Deutschland und die Schweiz ganz besonders betroffen sind?

Martin Sellner

Schauen wir nach Deutschland. Da gibt's im Moment jeden Tag statistisch zwei Gruppenvergewaltigungen. Und niemand kann mir erzählen, dass es immer schon so war. Wir zittern vor jedem Silvester, vor jedem Halloween, ob die Städte diesmal ganz oder nur halb in Schutt und Asche gelegt oder zumindest angezündet werden. Es gibt kriminologische Probleme, es gibt wirtschaftliche Probleme. Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, ein Ökonom, hat erst vorgerechnet, wie viele Billionen diese unqualifizierte Zuwanderung kostet. Ich sehe das größte Problem aber in der nichteuropäischen, islamischen Massenzuwanderung. Denn diese könnte dazu führen, dass eines Tages bei uns an der Wahlurne demokratisch die Scharia eingeführt wird.

Und mittlerweile ist es so, dass in Belgien, England, aber auch Frankreich die muslimischen Stimmen, die Migrantenstimmen so stark sind, dass es bald sehr unwahrscheinlich ist, dass überhaupt noch eine politische Macht die Islamisierung beenden möchte. Also die größte Gefahr des Bevölkerungsaustausches durch Zuwanderung sehe ich für unsere Demokratie, wenn die Demografie die Demokratie irgendwann überwältigt.

Philipp Gut

Kommen wir zu den Problemlösungen. Die offizielle Politik gewisser Parteien versucht etwas zu tun. Sie haben vielleicht andere Ideen oder wo sehen Sie da Überschneidungen? Aber zuerst würde ich gerne Ihre Einschätzung zur Migrationspolitik in Österreich, in Deutschland, in der EU, vielleicht auch in der Schweiz hören, bevor wir zu ihren Ansätzen kommen.

Martin Sellner

De facto muss ich leider sagen, dass ich ein desaströses Urteil habe, leider. Seit den 70er-Jahren, seit dem sogenannten Pillenknick, basiert unser Bevölkerungswachstum ausschließlich auf Masseneinwanderung. Migranten aus Europa stellten kein großes Problem dar. Sie waren kulturell verträglich, es gab keine Überfremdung, keine Massenkriminalität. Aber seit gut 10 bis 20 Jahren kommt diese Masseneinwanderung aus nicht europäischen Ländern, aus Afghanistan, aus Syrien, ja sogar aus Bangladesch und diese Politik geht ungebrochen in Österreich, Schweiz und Deutschland weiter.

Diese Entwicklung wird tatsächlich dazu führen, dass es sehr bald so ist, zum Beispiel in Deutschland, dass bei den Null- bis Vierjährigen die Mehrheit der Kinder Migrationshintergrund haben und meine Frage an die Politik ist: Wie soll bitte eine Assimilation oder meinetwegen eine Integration funktionieren, wenn es keine einheimische Mehrheitsgesellschaft mehr gibt? Das ist die große Sorge und deshalb kann ich nur sagen, die Politiker haben eine Migrationspolitik ohne Plan und Ziel, sie setzen sie dogmatisch durch, sie tabuisieren sie, und es ist Zeit für etwas anderes. Es ist Zeit für Remigration.

Philipp Gut

Wir sollten jetzt den Begriff «Bevölkerungsaustausch» kritisch beleuchten. Das impliziert ja nach meinem Laien-Verständnis, dass dies bewusst vorgenommen wird, dass irgendjemand diese Migrationsströme von oben herab steuert. Wie ist sehen Sie das?

Martin Sellner

Es gibt wie bei jedem Thema einige Thesen, die sagen, dass der Bevölkerungsaustausch ein von langer Hand geplanter Prozess ist. Und da gibt es einige Interessensgruppen. Manche sagen, die Globalisten wollen damit auch den Nationalstaat spalten, sie wollen Vielvölkerstaaten errichten, Ganglands, die man leichter von oben kontrollieren kann. In meiner persönlichen Migrations-Kritik ist aber diese Plan-These nicht zentral. Denn so wie ich den Bevölkerungsaustausch wahrnehme, analysiere und kritisiere, muss es nicht zwingend einen derartigen Plan geben. Also, ich versteife mich nicht darauf. Was ich aber sage ist, dass es deutlich benennbare Interessensgruppen gibt, die vom Bevölkerungsaustausch profitieren, die Asylindustrie zum Beispiel. Es gibt einzelne Parteien, die statt ihre Wähler überzeugen und gewinnen zu wollen, lieber Wähler importieren, wie zum Beispiel Nancy Faeser, die auch das Wahlrecht für Flüchtlinge angedacht, aber danach wieder zurückgenommen hat. Oder andere Parteien, die ein Ausländerwahlrecht einführen wollen. Die Demokraten in Amerika beispielsweise importieren massenhaft ihre Wähler aus dem Süden. Und nicht zuletzt auch «woke capitalism», also gewisse Aspekte der globalen Industrie, der Finanz und der Wirtschaft, die einen Import an billigen Arbeitskräften haben wollen um die Löhne zu drücken. Die alle bilden gemeinsam die Migrations-Lobby, die leider irrsinnig stark ist und die eine seriöse Debatte über Remigration bis jetzt verhindert.

Philipp Gut

Sie gelten als Kopf der «Identitären Bewegung», können Sie für unsere Zuschauerinnen und Zuschauer kurz sagen was identitäre Politik ist und welche Inhalte die identitäre Bewegung hat ?

Martin Sellner

Die «identitäre Bewegung» gibt es schon länger. Es ist eine aktivistische Jugendbewegung, die gegründet wurde, weil wir uns gedacht haben, dass es schon genug andere Bewegungen fürs Klima, für Tierrechte, für die Walrettung, und auch wirtschaftliche Bewegungen gab. Aber wo war die Bewegung für unsere Heimat, für unsere Identität? Und aus diesem Grund wurde dann diese Gruppe gegründet als eine Art patriotische Jugendbewegung gegen den – und jetzt aufpassen! – «menschengemachten Bevölkerungs-Wandel». Denn der menschengemachte Bevölkerungs-Wandel ist nicht zu leugnen. Der findet statt, und der wird von der schweigenden Mehrheit abgelehnt. Wir versuchen, durch Aktionismus, Aktivismus, aber auch durch Vortragstätigkeit, durch das Schreiben von Büchern eine Debatte in die Gänge zu kriegen. Und wir wollen auch rechte Parteien mit Visionen, mit Schlagworten und Ideen inspirieren, wie das zum Beispiel auch Greenpeace für die Grünen macht.

Philipp Gut

Sie sind auch oft betitelt worden als Vordenker der neuen Rechten. Was halten Sie von dieser Zuschreibung?

Martin Sellner

Ich weiß nicht, ob das vielleicht nicht ein bisschen zu hoch gegriffen ist, denn es gibt tatsächlich andere, viel wichtigere Autoren und echte Intellektuelle und Vordenker der neuen Rechten. Ich würde mich eher als ein Aktivist der neuen Rechten bezeichnen. Diesen Titel nehme ich gerne an, denn in der «neuen Rechte» sind für mich die interessantesten, spannendsten und zukunftsweisendsten Denkströme im Moment in Europa zu finden.

Philipp Gut

Sie haben Ihr neustes Buch erwähnt  «Regime Change von rechts» worum geht es da?

Martin Sellner

Es geht in diesem Buch um die Frage: Wie können wir zivilen Ungehorsam, wie können wir Aktivismus gut organisieren? Es ist also nicht nur interessant für Patrioten, sondern auch für Bauernproteste oder den Corona-Widerstand. Ich hab einfach sehr viele Lektüren, vor allem von linken Denkern analysiert. Und da haben wir dann überlegt, wie wir als Patrioten demokratische, friedliche Techniken des zivilen Ungehorsams anwenden können, um diese globalistischen Machtstrukturen besser verstehen und besser aufbrechen zu können.

Das gesamte, ungekürzte Interview können Sie hier im Originalvideo sehen.

 

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