
– Ein Artikel von Paul Siegenthal, lic. oec. HSG
Wer kennt die koptische Gemeinde Zürichs? Die Kopten sind die Ur-Ägypter oder das, was von ihnen übrig blieb. In den Jahren 639-642 eroberten und zerstörten die Araber Ägypten. Sie brüsteten sich damit, 3000 Kirchen und Synagogen niedergerissen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt gab es in weiten Teilen Europas noch nicht einmal eine Kapelle.
Bis dahin gehörte Ägypten zum Byzantinischen Reich. Alexandrien war das Zentrum des christlichen Glaubens. Die Verwaltungssprache war Griechisch. Der Großteil der Bevölkerung sprach jedoch Demotisch, eine Sprache, die noch aus der Epoche der Pharaonen stammte. Bis heute ist diese Sprache die Ritualsprache der Kopten, vergleichbar mit dem Latein der Katholiken. Etwa 15 Millionen Menschen bekennen sich zu dieser Glaubensgemeinschaft. Die meisten von ihnen leben in Ägypten, wo sie von der islamischen Bevölkerung unterdrückt und diskriminiert werden.
Am 18. Februar 2026 konnte die koptische Kirche in Lindau (Kanton Zürich) besucht werden. Abuna Isodoros, Mönch und Priester, erklärte den ca. 40 Gästen den koptischen Glauben. Organisiert wurde der Anlass von der EDU Zürich (Disclaimer: Der Autor ist parteilos).
Der Evangelist Markus, der Verfasser des Markus-Evangeliums, gilt als Gründervater der Kopten (Bischof von Alexandria). Er gründete seine Gemeinde im Jahr 41 nach Christus, also etwa zehn Jahre nach der Kreuzigung. Zum Vergleich: Das rabbinische Judentum, das heutige Judentum, sollte erst Jahrzehnte später entstehen. Hier fand das Mönchstum seinen Anfang. Das älteste Kloster der Welt, das Katharinenkloster im Sinai, steht noch heute.
Die Beziehungen zwischen den Kopten und den Arabern waren stets wechselhaft. Immer wieder werden sie Opfer von Gewalt- und Terrorakten. Die koptisch-orthodoxe Kirche sieht sich als Märtyrerkirche, die Pogromen schutzlos ausgeliefert ist.
Die koptisch-orthodoxe Kirche in Lindau war früher eine katholische Kirche. Die Kopten in der Schweiz sind keine Flüchtlinge, sondern arbeiten meist in internationalen Firmen. Die Sawiris, die reichste ägyptische Familie, sind beispielsweise Kopten. Sie leben in England und unterstützen die hiesige Gemeinde nicht finanziell.
Die Gottesdienste werden wöchentlich von 300 Personen besucht (full house). Koptische Kirchen dienen nicht nur für Gottesdienste, sondern sind auch Gemeinschaftszentren der Gläubigen.
Felix und Regula, die Stadtheiligen von Zürich, waren beide koptische Christen. Sie wurden im 3. Jahrhundert von Diokletian hingerichtet. Die Kopten erinnern jedes Jahr am 11. September mit einer Prozession an deren Martyrium.
Die Kopten sind eine Märtyrerkirche, die einen hohen Blutzoll für ihren Glauben bezahlen. Es sind keine heuchlerischen Gutmenschen, die Gratismut zur Schau stellen. Sie sind standhafte Christen, die in größter Not zu ihrem Glauben und ihren Prinzipien stehen. Die Begegnung mit der koptischen Gemeinde zeigt: Glaube ist für sie keine abstrakte Idee, sondern gelebte Überzeugung – auch unter widrigen Umständen.
👉«Glaube ohne Risiko – gibt es das überhaupt?»
Für die koptische Kirche ist die Antwort klar. Ihr Kreuz steht für Verfolgung, Standhaftigkeit und gelebte Überzeugung.
Während Glaube in Europa oft zur Nebensache geworden ist, hat er anderswo existenzielle Bedeutung.
👉 Ist unser Verständnis von Glauben zu bequem geworden? Was denken Sie? Lassen Sie es uns in den Kommentaren gerne wissen!
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Bei uns in der Schweiz ist wahrer biblisch fundierter christlicher Glaube zur Privatsache geschwächt worden. Ihn zu bekennen braucht ein dickes Fell. Intoleranz bei weltlichen Kompromissen ist eine Hürde. Klare Kritik am Wertezerfall (LGBTQ, etc) kann heute schon Verfolgung bedeuten. Es ist bequemer als U-Boot-Christ dirch den Alltag zu tauchen und bestenfalls sonntags aufzutauchen…