
– Ein Kommentar von Paul Siegenthal, lic. oec. HSG
KI ist die Zukunft, das erfahren wir jeden Tag aus der Presse. Im Mainstream wird uns ein Leben auf Kosten der Tech-Industrie prognostiziert. Alles werde zukünftig von Robotern produziert und unsere einzige Aufgabe bestehe noch darin, die Gaben zu konsumieren. Endlich! Die Rückkehr ins Paradies steht bevor.
Doch was sehen wir Menschen konkret von KI in unserem Alltag? In den sozialen Medien erscheinen massenhaft KI-generierte Bilder und Videos, die anfangs unterhaltsam sind, aber dann doch irgendwann langweilig werden.
Schüler und Studenten schätzen diese Technologie besonders. Bislang sammelten sie Wissen auf «linksversifften» Plattformen wie Wikipedia. Nun erhalten sie gleich fertig zusammengestellte Abhandlungen zum Thema und können so gescheiter erscheinen, als sie sind. Der Konsument nennt das «Convenience».
KI benötigt richtig viel Rechenleistung. Viel Rechenleistung benötigt viele Computer und viel Strom. Das merkt auch der Konsument. PCs kosten heute wesentlich mehr als früher, weil Big Tech zu fast jedem Preis Speichermodule und CPUs einkauft. Diese Investitionen werden, wie in den USA üblich, über Risikokapital und die Börse finanziert. In der ersten Phase wird KI kostenlos angeboten. Langfristig muss die Finanzierung über den Kapitalmarkt aber durch Einnahmen ersetzt werden.
Doch wie können die enormen Investitionen und der Betrieb dieser Rechenzentren langfristig finanziert werden? Mit Abonnements und/oder Tokens. Tokens sind Jetons, die vorab bezahlt werden müssen. Je nach Benutzungsintensität werden diese dann abgebucht. Konsumenten und Kleinunternehmen werden sich für Abos entscheiden. Sie kosten derzeit 10 bis 20 Franken pro Monat und sind für den Alltagsgebrauch ausgelegt.
Große Unternehmen benötigen eine andere Art von KI. Diese muss auf die internen Bedürfnisse zugeschnitten sein und teilweise sehr spezifische Funktionen übernehmen.
Ein Beispiel: Eine Telefongesellschaft beschäftigt Sulei Suleimani als Call-Agent. Er kann nicht viel, kostet das Unternehmen aber etwa 5000 Franken im Monat. Nun übernimmt KI-Vanessa seinen Job. Sie ist tatsächlich viel besser. Das Abo für die Telefonsoftware inklusive 20 Telefonleitungen kostet pro Monat 5000 Franken. Je nach benötigter Rechenleistung kommen eine entsprechende Anzahl Tokens hinzu.
Mit jedem Anruf wird die KI besser, während das Abo oder die Token teurer werden. Die Firma kann die Software nicht ersetzen, da die Investitionen für Installation, Unterhalt und Integration viel zu hoch sind. Sie sitzt in der Falle. Das Resultat: Die Kosten werden an die Kunden weitergegeben, während Sulei Suleimani auf der Straße sitzt. Die Kosten für ihn zahlt die Allgemeinheit.
Nun erschien ein Bericht von Bloomberg, demzufolge lediglich 50 % der geplanten Datencenter überhaupt gebaut werden. Und jene, die sich im Bau befinden, hinken weit hinter den Planungen zurück. Big Tech kündigt vor allem Potemkinsche Dörfer an.
Die Künstliche Intelligenz hat alle Ingredienzen einer Blase. Der Mainstream verkauft ein neues Produkt als «die Zukunft», das Volk glaubt es, die Kapitalgeber glauben es ebenfalls und investieren Unsummen (des Volkes). Die Industrie kann kaum liefern. Klingt das irgendwie bekannt? Es ist immer dasselbe Muster: die Dotcom-Blase (2000), die Subprime-Krise (2008) und die Kryptowährungsblase (2021–2025). Irgendwann erkennt man die Realität – und dann kracht es. Je später die Erkenntnis kommt, desto lauter der Knall.
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© Beitragsbild: Nightcafé (KI)