
– Ein Kommentar von Paul Siegenthal, lic. oec. HSG
Trump zog wieder einmal so richtig vom Leder: Der Papst sei der Schutzpatron der Kriminellen, ein Liberaler aus Chicago. Sein Aufruf zum Frieden im Nahen Osten machte es nicht besser. Vizepräsident Vance, konvertierter Katholik, konterte, der Papst solle sich lieber um seine eigenen Probleme kümmern. Als er sich gegen die Todesstrafe in den USA aussprach, erklärte ein bekannter Fernsehkommentator, er sehe sich nicht mehr als Katholik.
Es kam noch dicker. Leo XIV empfing die anglikanische «Erz-Bischöfin» von Canterbury Sarah Mullally zum gemeinsamen Gebet. «Will der Vatikan bald die Priesterehe und die Priesterweihe für Frauen zulassen?», fragten sich viele Katholiken. Kaum war sie gegangen, las man in den italienischen Medien, dass einigen traditionellen Bischöfen die Exkommunikation angedroht wurde, falls sie nicht spuren. Über mangelnde Publicity kann sich der Heilige Stuhl momentan nicht beklagen. Der Heilige Vater scheint eine Sau nach der anderen durch das Dorf zu treiben.
Viele Äußerungen des Papstes wurden von den rechten Medien bewusst skandalisiert. Fake News einmal nicht von links, sondern von rechts. Der Heilige Vater hat sich nicht gegen die Einwanderungspolitik Trumps ausgesprochen. Er betonte lediglich, dass illegale Einwanderer eine Menschenwürde haben und anständig behandelt werden müssen.
Im Nahen Osten rief er zum Frieden auf. Auch die muslimischen Staaten seien dazu bereit. Dieser letzte Teil wurde von den Sendern weggeschnitten. Was erwartet man anderes von einem Papst? Der Kontakt zur Bischöfin von Canterbury fand im Rahmen der Ökumene statt. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sucht Rom aktiv den Dialog mit anderen Religionen. Die Weihe von Priesterinnen und die gleichgeschlechtliche Ehe sind ausgeschlossen. Das steht außerhalb der Autorität der Kirche und kann nicht geändert werden.
Es ist offensichtlich, dass jenseits der oberflächlichen Aufregung im Vatikan Feuer im Dach ist. Einerseits wollen deutsche Bischöfe homosexuelle Paare segnen und damit die christliche Morallehre untergraben. Andererseits fühlen sich viele Katholiken unwohl, wenn die Lehre zunehmend relativiert wird.
Der postmoderne Relativismus hat in der Kirche, der Lehre des Absoluten, Einzug gehalten. Begrüßt wurde das vor allem von den Linken. Traditionelle Katholiken sehen darin die Zerstörung der Kirche von innen. Menschen suchen Halt im Wort Gottes und können mit Sowohl-als-Auch-Plattitüden nicht viel anfangen.
Das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) veränderte die Kirche grundlegend. Die lateinische Messe wurde abgeschafft und durch eine neue Liturgie ersetzt. Der Priester sprach die Messe nun in der Landessprache. Anstatt mit dem Rücken zu den Gläubigen zu stehen, wendet er sich nun direkt an sie.
Die Kirche wollte die Gläubigen stärker mit einbeziehen und sich als Gemeinschaft verstehen. Der Laienstand wurde aufgewertet. Der Vatikan nahm aktiv den Dialog mit anderen Kirchen auf und suchte das Gemeinsame, die sogenannte Ökumene. Den Gläubigen wurde nicht mehr vorgeschrieben, was sie zu glauben hatten. Sie sollten nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne des Glaubens handeln. Es kam wie es kommen musste: Die Kirchen leerten sich und wie bei den Protestanten war bald jeder Katholik sein eigener Papst. Endlich frei.
Marcel Lefèvre, ein Schweizer Bischof, sah diese Entwicklung kommen. Er lehnte die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab und gründete die Piusbruderschaft. Ihre Priester zelebrieren weiterhin die lateinische Messe. Der Vatikan reagierte prompt und exkommunizierte Lefèvre und seine Bischöfe. In Rom merkte man jedoch bald, dass die Piusbruderschaft großen Zuspruch erhielt und hob die Exkommunikationen Schritt für Schritt wieder auf. Der Vatikan wollte ein Schisma verhindern. Er hoffte, dass es irgendwann «vorbeigeht».
Wahrscheinlich wäre diese Episode eine Randnotiz der Kirchengeschichte geblieben. Doch Menschen brauchen Götter. Zieht sich der eine zurück, kommt ein anderer. Was früher die Geistlichen waren, sind heute die Medien. Dort erklären Journalisten, freischaffende Ethiker, Experten und Fachleute den Menschen, was richtig («zeitgemäß») und falsch ist – natürlich immer aus öko-linker, woker Perspektive.
Auf die Dauer verunsichern diese Quacksalber mehr, als sie nützen. Schlagworte wie Inklusion und Diversität machen die Runde, die absolut nichts bedeuten, aber als politische Kampfbegriffe gegen Andersdenkende verwendet werden. Die Gesellschaft spaltet sich in Glaubensgruppen, die sich gegenseitig hassen und nicht mehr miteinander reden.
Die Menschen suchen nun wieder nach «der Wahrheit», nach dem Absoluten, nach Werten, auf die sie sich verlassen können. Der Trend ist unverkennbar. Die katholischen Messen sind bis in die hintersten Reihen gefüllt. Kircheneintritte nehmen stetig zu, während die Austritte markant zurückgehen.
Der Papst steht vor einer schwierigen Aufgabe. Einerseits hat er die rechte Flanke, die Pius-Bruderschaft, die weit überproportional wächst. Auf der anderen Seite stehen Bischöfe, die einen «inklusiven» Kurs fahren wollen.
Diese Flügel drohen zu einer Belastungsprobe für die Kirche zu werden. Es bleibt zu hoffen, dass er dieser Aufgabe gewachsen ist.
Wie beurteilen Sie den Kurs des neuen Papstes?
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